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Themenwochenende „Reformation und Leselust“ in Reckahn



Zum Themenwochenende „Reformation und Leselust“, 2. bis 3. Juli, kommen Thea Dorn, Jürgen Flimm, Durs Grünbein, Jürgen Kaube, Annedore Prengel, Hans-Jochen Röhrig und Peter Sloterdijk. Ihre Vorträge und Diskussionen kreisen um das Thema Bildung und protestantische Kultur und stellen aktuelle Fragen: Welche Bildungskonzepte werden heute entwickelt? Welches Menschenbild liegt ihnen zugrunde? Welchen gesellschaftspolitischen Stellenwert hat Bildung heute?

 

Die Autorin und Journalistin Christine Eichel („Deutschland, Lutherland.“, Blessing 2015) hat das Programm zusammengestellt und führte aus: „Reformatorische Haltungen sind in Deutschland bis in die Gegenwart überraschend präsent. Die hohe Relevanz der Bildung, der Mut zum meinungsfreudigen Diskurs und die Leselust gehören zum Erbe Luther’scher Überzeugungen. Der Reformator trieb die Alphabetisierung voran, um möglichst vielen Gläubigen die eigenständige Bibellektüre zu ermöglichen. Damit erlebte das gelesene, gesprochene und gesungene Wort einen ungeheuren Bedeutungszuwachs und führte zu einer regelrechten Lesebegeisterung der Deutschen. Auch heute noch ist Deutschland passioniertes Leseland, mit dem zweitgrößten Buchmarkt der Welt nach den USA.“

 

Peter Sloterdijk eröffnet das Themenwochenende am 2. Juli mit einem Vortrag „über Reformations-Phantasien“ und untersucht, unter welchen Voraussetzungen die Reformation ihre epochale Wirkmacht entfalten konnte. Darauf stellt Schriftsteller Durs Grünbein „Überlegungen zur protestantischen Kultur“ an: Luther gilt ihm als Verkörperung von Prinzipien wie Buchstabengläubigkeit, Obrigkeitshörigkeit oder Sinnenfeindlichkeit. Zum anderen aber erlebte Grünbein die Kultur eines protestantischen Pfarrhauses in der DDR als „Höhle im Sozialismus“, in der Diskursfreudigkeit und bildungsbürgerliche Traditionen gepflegt wurden. 

 

Der Sonntag, 3. Juli, startet mit einem Vortrag von FAZ-Mitherausgeber Jürgen Kaube zum Thema „selbst lesen, selbst denken – ein protestantisches Motiv“. Mit seiner Bibelübersetzung ins Deutsche leitete Luther einen Paradigmenwechsel ein: Die eigene Lektüre und die eigenständige Auslegung der Heiligen Schrift ersetzten für Protestanten die Deutungsmacht der Papstkirche und lösten die Orientierung an theologischen Dogmen ab. Im Anschluss diskutiert Jürgen Kaube mit Durs Grünbein und Peter Sloterdijk über geistesgeschichtliche Folgen der Reformation. Zum Abschluss des Themenwochenendes spricht Schriftstellerin Thea Dorn über „Menschenbild und Menschenbildung“. Ihre These: Erst durch Luthers Entdeckung des barmherzigen, gnädigen Gottes und sein radikales Bekenntnis zum Glauben gelinge es ihm, die anfängliche Verzweiflung über den „Sündenklumpen“ Mensch zu überwinden. Darauf diskutiert Thea Dorn mit dem Theaterregisseur Jürgen Flimm und dem Politiker Martin Gorholt über Reformmöglichkeiten des aktuellen deutschen Bildungssystems: Was ist erhaltenswert, förderungswürdig, gesellschaftlich sinnvoll in der deutschen Bildungs- und Kulturlandschaft? Welche Werte, welche Institutionen sind unverzichtbar, welche überholt?

Karten sind ab sofort online erhältlich.

 

 

Rochow-Museum im Schloss Reckahn
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Tel.: 033835-60672, Fax: 033835-60665
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