„Wegen der Kameradschaft bin ich geblieben“
Feuerwehrmann Helmut Rauhut wird heute 90. Was nicht ganz freiwillig begann, begleitet ihn bis heute: Tischlermeister Helmut Rauhut, Jahrgang 1936, blickt in diesem Jahr auf beeindruckende 69 Jahre bei der Freiwilligen Feuerwehr Lehnin zurück. Auch als Mitglied der Alters- und Ehrenabteilung bleibt er seiner Wache verbunden, nimmt an den Versammlungen und Veranstaltungen der Feuerwehr teil und stiftete der Wache kürzlich ein selbst getischlertes Regal für den Versammlungsraum. Susanne Gnauk interviewte den Jubilar.
Wie bist du zur Feuerwehr gekommen?
Das war 1957. Mein Vater meinte: Die Feuerwehr sucht Leute, da musst du rein, dann bekommst du auch eine Gewerbegenehmigung. Ich wollte nicht bleiben, aber die gute Kameradschaft hat mich gehalten. Wir waren etwa 15 bis 20 Kameraden. Ein kleinerer Kreis als heute, aber ein starker Zusammenhalt. Frauen gab es damals nicht bei der aktiven Feuerwehr, ich freue mich aber sehr, dass es heute anders ist.
Wir haben viel neben der Feuerwehr zusammen unternommen, sind regelmäßig zusammen verreist, z. B. zu Himmelfahrt. Mit einem Kameraden habe ich den Karnevalsverein ins Leben gerufen. Ich bin ein großer Fan von bayerischer Blasmusik, so ist das gekommen.
Welchen Dienstgrad hast du erreicht?
Ich bin Löschmeister, mehr nicht, weil ich nicht zu den externen Schulungen gegangen bin. Zum einen hatte ich mein eigenes Geschäft, die Tischlerei, die ich im Jahr 2000 an meinen Sohn übergeben habe. Zum anderen hatte ich, bedingt durch einen Arbeitsunfall, Rückenprobleme. Pickel waren mir auch nie wichtig. Ich habe nur die internen Schulungen absolviert. Ich war Maschinist und verantwortlich für das Fahrzeug. Sauerstoffschutzgeräteträger war ich aber auch, die Übungsläufe habe ich mit absolviert. Aber ich habe das sogenannte SSG nie im Einsatz gebraucht.
Wie war die Feuerwehr damals aufgestellt?
Wir waren damals einfacher ausgestattet. Neben unseren Einsätzen und Übungen haben wir erst einmal ein neues Gerätehaus mit aufgebaut für zwei Fahrzeuge und einen Schulungsraum, der immer kalt war und mit einem Ofen beheizt wurde. Auch der Schlauchturm wurde von uns errichtet. Das alles wurde abgerissen, als die jetzige Wache errichtet wurde.
Welche Ausrüstung hattet ihr damals?
Wir hatten nur einen „Ello“ mit Plane und einem Schlauchtransportanhänger (LKW der Baureihe Robur LO der VEB Robur-Werke Zittau). Die Schutzkleidung bestand aus einem grau-olivfarbenen Anzug, Gummistiefeln, Handschuhen, Hakengurt und einem Helm, der noch aussah wie von der Reichswehr. Mehr gab es nicht. Sommer wie Winter – das war unser Standard.
Wie lief ein Einsatz damals ab?
Der Alarm kam über die Sirene, und dann ging es los. Man wusste nie genau, was einen erwartet. Erst vor Ort hat man gesehen, was los ist.
Gibt es Einsätze, die dir besonders im Gedächtnis geblieben sind?
Einmal hatten wir einen Löscheinsatz im ehemaligen Möbel-Konsum in Lehnin früh morgens. Mein Vater wollte den Verkaufsstellenleiter holen und erzählte, dass er sich erstmal ganz sorgfältig einen Schlips umgebunden hat, während seine Bude brannte. Daran erinnere ich mich, weil ich das kurios fand. Das Haus konnten wir aber retten. Einmal mussten wir einen Mann retten, der im Wald verkehrt herum von einem Baum runter hing. Einen Einsatz werde ich nie vergessen, wo ein Kind durch eine umgestürzte Mauer verunfallt ist.
Aber insgesamt hatten wir viel weniger Einsätze als heute, auch weniger Einsätze auf der Autobahn. Aber an einen kann ich mich erinnern: Da brannte ein LKW der Sarotti-Werke Berlin. Der hatte aber an dem Tag Kartoffeln statt Schokolade geladen. Der Fahrer hat es sehr bedauert, dass er uns keine Schokolade geben konnte für unsere Rettungstat.
Meinen letzten Einsatz hatte ich, wenn ich mich richtig erinnere, 1993/94. Es war ein Löscheinsatz hinter dem Sportplatz.
Was wünschst du dir für die Freiwillige Feuerwehr heute?
Dass die Kameradschaft erhalten bleibt. Und dass die Arbeit der Feuerwehr die verdiente Anerkennung findet. Sie musste stets mit begrenzten Mitteln auskommen. Umso wichtiger ist es, dass dieses wichtige Ehrenamt weiterhin gestärkt wird.
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