Zu öffentlichen Diskussionen zur Reduzierung gemeindlicher Kita-Kapazitäten
Es werden derzeit im Zusammenhang mit dem o. a. Thema vielfältige Diskussionen geführt. Dies ist verständlich. Um zur Versachlichung beizutragen, werden hiermit relevante Hintergründe dargestellt.
Kloster Lehnin passte stets die Kapazität an Kita-Plätzen flexibel an den jeweiligen Bedarf an, sodass der gesetzliche Rechtsanspruch im Einklang mit der gebotenen Haushaltsdisziplin zum sparsamen und wirtschaftlichen Umgang mit öffentlichen Geldern gewährleistet werden konnte.
Zwischen dem 31.07.2010 und 31.07.2022 war wegen des Zuzuges und des gestiegenen Betreuungsbedarfs die Erhöhung der Kapazität von 337 auf 437 Plätze erforderlich. Ferner stieg die Kapazität in der Kita „Klostergarten“ in Lehnin von 59 auf 78 an. Im Jahr 2022 war die Eröffnung der Kita „First Steps“ in Trechwitz mit 59 Plätzen notwendig, um den Bedarf abdecken zu können. Darüber hinaus schufen Tagesmütter 10 Betreuungsplätze (heute 5). In den Folgejahren reduzierte sich aufgrund gesetzlicher Vorgaben die Anzahl der gemeindlichen Kita-Plätze auf 418.
Jährliche Auslastung der gemeindlichen Kita’s zum Stichtag 31.07.:
Jahr %
2010 86,05
2011 87,24
2012 77,81
2013 83,99
2014 98,37
2015 92,76
2016 97,46
2017 95,65
2018 92,89
2019 97,55
2020 94,51
2021 95,42
2022 96,8
2023 94,2
2024 93,3
2025 85,6
2026 80,9
Die Auslastung der Einrichtungen war angemessen. Überraschend und unplanbar ging mit dem Beginn des Ukraine-Krieges die Anzahl der Geburten zurück (deutschlandweiter Trend). Weitere Krisen verschärften die Situation, sodass seit 2023 eine geringere Anzahl an Kindern geboren wird und der Bedarf an Kita-Plätzen sinkt.
Entwicklung der Anzahl der Geburten zwischen 2010 bis 2026
Jahr Geburten
2016 127
2017 134
2018 111
2019 105
2020 98
2021 111
2022 86
2023 61
2024 65
2025 63
2026 35 - Stand 15.09.2026
Prognose der Geburten für die Jahre 2026 bis 2031
Jahr Geburten
2026 50
2027 60
2028 60
2029 60
2030 60
2031 60
Derzeit werden von den 418 Kita-Plätzen nur 276 benötigt. 142 Plätze sind unbelegt. Zu Beginn des Schuljahres 2027/2028 dürfte die Auslastung 74,6 % betragen (ca. 106 freie Plätze). Ein Jahr später würde die Auslastung nur noch bei ca. 67,5 % liegen (ca. 136 freie Plätze). Dadurch sind höhere Fehlbeträge (z. B. für Betriebs,- Reinigungs- und einen Teil der Personalkosten) zu erwarten. Diese betrugen bereits im Jahr 2025 für alle gemeindliche Kita’s ca. 792.892 € (je Kind ca. 2.346 €).
Nach dem gravierenden Rückgang der Anzahl der Geburten in den Jahren 2023, 2024 und 2025 auf 61, 65 bzw. 63 sind keine Anzeichen für eine Trendwende erkennbar, denn bis zum 15.09.2026 wurden im Einwohnermeldeamt nur 35 Geburten angezeigt.
Im Tagesbetreuungsbedarfsplan des Landkreises PM wird für die Gemeinde prognostiziert, dass im Jahre 2030 potentiell nur noch ca. 255 Kinder zu betreuen wären. Aus Gründen der gesetzlichen Vorgaben zur Trägervielfalt sollen beide freien Träger in der Gemeinde mit insgesamt 137 Plätzen erhalten bleiben. Insofern stehen nur die gemeindlichen Kapazitäten zu Disposition, wobei das gesamte Gemeindegebiet hinsichtlich der Erreichbarkeit von Kita’s und unter wirtschaftlichen Aspekten zu betrachten ist.
Es bleibt festzustellen, dass es einzig im Ortsteil Lehnin derzeit zwei Kita’s gibt. Insofern stellt auch der Landkreis im Tagesbetreuungsbedarfsplan u. a. fest:
„Bei der Kita Lehnin sollten sukzessiv die Kapazitäten reduziert werden bis hin zur vollständigen Schließung der Einrichtung. … Im Ortsteil Lehnin … würde eine moderne Kita eines freien Trägers das Betreuungsangebot grundsätzlich sichern.“
Vor dem Hintergrund, dass deutschlandweit die Geburtenrate bei 1,32 (vor fünf Jahren 1,6) liegt, die Wohnungssituation in der Gemeinde keinen nennenswerten Zuzug ermöglicht, Hausbauaktivitäten aufgrund der Baukosten und Zinsen nahezu zum Erliegen gekommen sind, ist eine Änderung der Situation innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahren nicht zu erwarten.
Es ist zu schlussfolgern, dass die Gemeinde unliebsame Entscheidungen treffen sollte, um möglichst frühzeitig Klarheit für die Kinder, Eltern und Beschäftigten zu schaffen und vermeidbare Kosten zu sparen.
Die Vorschläge der Gemeindeverwaltung für Sofortmaßnahmen zur Gemeindevertretersitzung am 15.07.2026 waren
A. Die Gemeindeverwaltung empfiehlt dringend den Stufenplan fortzuschreiben.
B. Alternativ könnten ein oder zwei Kita’s teilweise oder vollständig geschlossen werden, um Überkapazitäten und Kosten signifikant zu minimieren.
zu A.
Stufe I: Erhalt der Kita’s an den Gemeindegrenzen (Beschluss GV vom 25.02.2025)
Stufe II: Kita Lehnin:
• keine Aufnahme des Jahrganges 2026/2027 (01.10. bis 30.09.) und folgende
• in bestehende Gruppen können bei vorhandenen Kapazitäten weitere Kinder aufgenommen werden
• andere Kita’s werden zunächst unverändert weiterbetrieben
Stufe III: 2. Halbjahr 2026/1. Halbjahr 2027
• Kita Lehnin:
nach Erörterung mit dem Kita-Ausschuss und der -Leitung erfolgt abschließend eine Prüfung, ob nach der Einschulung 2027/2028 das Haus 2 solitär betrieben werden könnte und wenn ja, wie lange dies wirtschaftlich vertretbar wäre, ggf. müsste eine Entscheidung der Gemeindevertretung über Reduzierung von 35 Plätzen durch die Schließung von Haus 1 getroffen werden
• alle Kita’s: auf Basis der Anzahl Geburten 2026 und im I. Q. 2027 wären ggf. weitere Maßnahmen zur (stufenweisen) Reduzierung zu prüfen und einzuleiten, z. B. die Reduzierung der Obergrenze der Kita Damsdorf von 178 auf 150 Plätze.
zu B.
Da ca. 100 Kita-Plätze ab dem 31.07.2027 nicht mehr zur Bedarfssicherung benötigt werden, könnten sofort Kapazitäten reduziert werden. So beträgt die Kapazität der Kita Lehnin 87 Plätze, die Kapazitäten der Kita‘s Grebs (37), Göhlsdorf (38) und Netzen (39) umfassen insgesamt 115 Plätze.
Insofern wäre ein Betrieb der Kita Lehnin teilweise (Haus 1) oder vollständig und/oder z. B. der Kita Grebs oder der Kita Göhlsdorf oder der Kita Netzen zur Bedarfssicherung nicht mehr erforderlich, ohne dass die Gemeinde den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz nicht mehr erfüllen würde. Voraussetzung für die Kapazitätsreduzierung um 35 Plätze (Haus 1) wäre, dass in der Kita Lehnin keine neuen Gruppen mehr eingerichtet werden. Unabhängig davon könnte die Reduzierung der Kapazität der Kita Damsdorf im Rahmen eines Gesamtkonzeptes bereits jetzt sachgerecht sein.
Werden die Vorschläge A. oder B. nicht umgesetzt, würde ein Fortbetrieb aller gemeindlichen Einrichtungen insbesondere den Fehlbetrag je Kind erhöhen, da aufgrund der geringen Anzahl der Geburten der Betreuungsbedarf sinken wird und sich im Gegensatz dazu z. B. die Betriebs-, Unterhaltungs-, Reinigungs- und Personalkosten erhöhen.
Die Gemeindevertretung beschloss, dass zunächst keine Sofortmaßnahmen umgesetzt werden. Insoweit steht der Aufnahme von Kindern des Jahrganges 2026/2027 in die Kita Lehnin derzeit nichts entgegen.
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