Lehniner Kleinbahn – eine Reise durch die Zeit
Die Lehniner Kleinbahn existiert zwar seit fast 60 Jahren nicht mehr, doch viele Menschen in Potsdam-Mittelmark erinnern sich lebhaft an sie – vor allem an die kuriosen Geschichten, die ihren Betrieb begleiteten. Autor Peter Werner hat diese Erinnerungen nun in einer 48-seitigen Broschüre unter dem Titel „Lehniner Kleinbahn – eine Reise durch die Zeit“ zusammengeführt.
Das Heft enthält zahlreiche Anekdoten aus dem Alltag der Bediensteten. Eine davon beantwortet die oft gestellte Frage, wie Lokführer und Heizer unterwegs ohne Toilette auskamen: Sie nutzten schlicht die Kohlenschippe und entsorgten ihren „Beitrag“ aus dem Fenster. Auch der langjährige Ortschronist Jürgen Back steuert Erzählungen bei – darunter die Geschichte des verschobenen Prellbocks in Lehnin. Weil eine neu eingesetzte, wesentlich längere Lok beim Rangieren keinen Platz fand, stieß der Lokführer mehrfach dagegen, bis die fehlenden Zentimeter gewonnen waren.
Historisch blickt das Heft auf die Entwicklung der Strecke zurück. Ursprünglich war im 19. Jahrhundert ein großer Eisenbahnring um Berlin geplant. Da dieser nie gebaut wurde, entschied man sich 1899 wenigstens für eine Stichbahn von Lehnin zur Hauptstrecke Magdeburg–Berlin nach Groß Kreutz. Die Kleinbahn erhielt dort ihren eigenen Haltepunkt auf der Südseite. Berühmt war an diesem Bahnhof das „Bierbrett“ des Wirts, der Lokführer und Heizer bei Ankunft mit zwei frisch gezapften Gläsern versorgte.
1967 wurde der Betrieb eingestellt. Ein eigenständiges Werk über die Lehniner Kleinbahn fehlte jedoch lange, obwohl das Interesse groß war – wie die regen Besucherzahlen bei Führungen und Vorträgen 2014 und 2024 zeigten. Werner ließ nun 500 Exemplare drucken und rechnet mit einer schnellen Nachfrage.
Zu den eindrücklichsten Geschichten gehört die des Lokführers Udo Rudolph, der während der Fahrt ein klemmendes Ventil reparieren wollte, dabei an einen Telefonmast geriet und von der Lok stürzte. Der Heizer fuhr dennoch weiter, um den Anschlusszug der Reisenden nicht zu gefährden.
Die Broschüre ist für 6,50 Euro im Blumenladen von Britta Fischer am Lehniner Bahnhof erhältlich oder per Mail bei Peter Werner: .
Jürgen Back & Peter Werner
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