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50. Session des Lehniner Carnevalsvereins (LCV) in 2019/20 Herausgabe einer Chronik im Oktober 2019 geplant


Bild zur Meldung: Fam. Haertel



„Kinder wie die Zeit vergeht“, so hieß das Motto des LCV in der 15. Session 1984/85.

Nun steht dem LCV die 50. Session bevor. Er hat Höhen und Tiefen überstanden, auch die Wendezeit. Sie ging am Verein nicht spurlos vorüber; die Mitgliederzahl sank auf 35. Heute sind 100 Akteure mit dabei, auch viele Kinder und Jugendliche, wenn die „5. Jahreszeit“ nach den vielen Trainingsstunden endlich eröffnet wird.

Eines der Highlights im Jubiläumsjahr wird die Herausgabe der LCV-Chronik im Oktober 2019 sein. Die Vorbereitungen dafür laufen bereits. Sie wird im Format DIN A4 mit ca. 100 -120 Seiten erscheinen. Jede Session, vom Gründungsjahr 1969/70 bis hin zur Gegenwart, wird auf einer Doppelseite mit Fotos und Texten ihren Platz finden. Hinzu kommen mehrere originelle Geschichten aus der Karnevalszeit. Eine „Kostprobe“ davon möchten wir heute schon veröffentlichen, um unsere Bürger auf das bevor stehende Jubiläum einzustimmen.

Wir würden uns noch über Fotos oder Texte aus der Lehniner Karnevalszeit freuen, die uns leihweise zur Verfügung gestellt werden könnten, um die Chronik weiter zu vervollkommnen.

Unsere erste Geschichte ist ziemlich ernst und leider nicht zum Lachen. Sie gehört aber trotzdem zur erlebten Lehniner Karnevalszeit.

Jelina Helau sagt Jürgen Back vom LCV.

 

 

LCV Session 1977/78 – nicht immer war alles lustig

 

Die Mitglieder des LCV waren stets bemüht, Freude und Spaß in den grauen DDR-Alltag zu bringen. Aber durch kritische Äußerungen über Themen, die in der Öffentlichkeit gemieden werden mussten, dennoch zu wagen, diese anzusprechen, konnten besonders viele Lehniner für die

LCV-Veranstaltungen begeistert werden. Im Saal spürte man stets Spannung und Kribbeln, bis sich die politische Pointe unter befreiendem Lachen bei den applaudierenden Gästen entlud. Man genoss dabei einen Hauch von Freiheit.

So gab es damals einige mutige Narren wie Karla und Manfred Haertel.

 

Karla und Manfred Haertel traten in der Session 1971/72 in den LCV ein.

Sie wollten sich im Gesang und als Büttenredner engagieren, natürlich mit eigens verfassten Texten.

Mit dem Text für eine „Reisegruppe“, geschrieben von Manfred Haertel, wurde jedoch nach Ansicht der politischen Oberen die Narrenfreiheit stark überschritten.

Karla und Manfred Haertel selbst traten als „Tramps“ im Duett auf.

Grundlage war das Lied „Wir sind die Tramps, Tramps aus der Pfalz ...“ aus der

Westfernsehsendung „Mainz wie es singt und lacht“.

So wandelten sie den Text passend für Lehnin um und der ging u.a. so:

Wir sind die Tramps, Tramps aus Lehnin,

uns steht das Wasser immer bis zum Kinn.

Wir brauchen nichts, nichts mehr zu tun,

wenn die Bull‘n uns nur verscho‘n.

Im Text wurden die Erscheinungsformen der sozialistischen Jugend aufs Korn genommen, verkleidet als urige Jugendliche der damaligen Zeit mit entsprechender Mimik und Gestik wurde auch Kritik an Wirtschaft und Politik geübt. Das ging in sieben Veranstaltungen gut, bis zur Karnevalsveranstaltung für die Rentner. Dort war auch der linientreue Ortsparteisekretär anwesend.

Er kritisierte sofort einige Textstellen und sprach dabei von imperialistischer Hetze. 3 Tage später, am 1. Februar, hatte sich schon die Stasi in Bewegung gesetzt. Nun schaltete sich auch noch der politisch 100 %-ige Schuldirektor ein und meinte, er müsse die betreffenden Karnevalisten vor den Staatsanwalt bringen. Entweder sollten die „Reisegruppe“ und die „Tramps“ nicht mehr auftreten, oder der Text sollte geändert werden. Die damalige Karl-Marx-Oberschule wurde hierbei als „Karl-May-Oberschule“ bezeichnet und der Schulkoch wurde als „Häuptling der Apanschen“ angeprangert, weil das Essen sehr geschmacklos war. Das wurde als Rassendiskriminierung dargestellt. Es gab sogar eine ernste Drohung gegen den den Vizepräsidenten des LCV, wenn er nicht das durchsetzte, was die Bonzen verlangten.

Am Samstag, dem 4. Februar, wurden Karla und Manfred Haertel um 16.00 Uhr kurz, vor Beginn der Karnevalsveranstaltung ins Gemeindebüro bestellt, wo sich schon die Politprominenz mit einem Stasi-Mitarbeiter versammelt hatte. Wegen ihrer Texte wurde ihnen Staatsfeindlichkeit vorgeworfen. Mit generellem Auftrittsverbot wurde ihnen gedroht. Da die Haertels keine Zugeständnisse machten, wurde ihnen Auftrittsverbot erteilt.

Herbert Bonnewitz, der beliebte Narr vom Mainzer Carnevalsverein - Brieffreund und Vorbild der Haertels – wurde nun auch von der Stasi observiert, mit einem „Geheimen Suchauftrag“.

 

Erst nach mehreren Monaten hatte sich alles wieder beruhigt, aber ein bitterer Beigeschmack blieb dennoch. Freunde überredeten Manfred Haertel doch wieder im LCV weiter zu machen, nicht als Büttenredner, aber als Trainer für das Männerballett. Er ging auf das Angebot ein und landete in den folgenden Sessionen zwei volle Erfolge mit den Männern; einmal war es der Hit „ROM“, zum anderen „Zabadak“.

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